Was von der Stadt Ribnitz-Damgarten als „Chance“ verkauft wird, liest sich in den Haushaltsunterlagen wie ein riskantes Finanzkonstrukt: Die Stadt bekommt ihren Finanzhaushalt nicht mehr ausgeglichen, steckt gleichzeitig immer mehr Geld in Vorleistungen für Pütnitz – und setzt dann darauf, dass ein einziger Käufer, Center Parcs, am Ende die Rechnung durch Grundstückskäufe bezahlt. Das ist keine solide Haushaltsführung. Das ist Hochrisiko-Zocken auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger.
Der Haushalt ist nicht ausgeglichen – Punkt. Und Pütnitz verschärft die Schieflage.
Der Vorbericht hält fest, dass der Haushaltsausgleich im Finanzhaushalt nicht gegeben ist.
Das heißt: Der laufende Betrieb finanziert sich nicht aus den laufenden Einnahmen. Die Stadt lebt im Plan dauerhaft über ihren finanziellen Verhältnissen.
Und in dieser Lage werden im Zusammenhang mit Pütnitz bereits erhebliche Vorleistungen beschrieben: Altlastensanierung, Projektmanagement, Abbruch, Bauleitplanung. Das sind keine „Peanuts“, das sind echte, potenziell wachsende Kosten – und sie fallen früh an.
Die Stadt setzt alles auf eine Karte: Grundstücksverkauf Pütnitz
Die Stadt nennt Pütnitz selbst „von überragender Bedeutung für die finanzielle Stabilität“. Und sie plant bis Ende 2029 mit 12 Mio. € aus Flächenverkäufen im Projekt. Noch klarer steht es an anderer Stelle im Vorbericht: Die Zunahme der liquiden Mittel resultiert aus den Grundstücksverkäufen Pütnitz.
Damit ist das Muster offensichtlich:
Der Haushalt wird nicht stabilisiert, sondern mit einem einzigen großen Verkaufserfolg „gerettet“.
Und während man auf diesen Einmaleffekt hofft, rutscht der laufende Saldo immer weiter ins Minus: bis Ende 2029 auf –14,468 Mio. €. Das heißt: Selbst wenn Pütnitz funktioniert, bleibt der laufende Haushalt unter Druck. Wenn Pütnitz nicht wie geplant funktioniert, wird es brandgefährlich.
Der gefährlichste Teil: Nur ein Käufer. Center Parcs. Das ist finanzieller Masochismus.
Wenn es für Pütnitz faktisch nur einen Käufer/Investor gibt – Center Parcs – dann hat die Stadt keinen Markt, keine Konkurrenz, keinen Hebel. Dann ist die Stadt nicht mehr Gestalterin, sondern Bittstellerin.
Denn bei nur einem Käufer gilt:
- Preis und Bedingungen sind verhandelbar – aber nicht zu Gunsten der Stadt.
- Timing wird zum Druckmittel: „Später“, „erst wenn …“, „nur unter …“
- Jede Nachforderung wirkt wie eine Pistole auf die Stadtkasse – weil die Stadt die Erlöse bereits fest eingeplant hat.
Wer sich so abhängig macht, ist nicht „Partner auf Augenhöhe“. Wer nur einen Käufer hat, ist ausgeliefert.
Und das gilt umso mehr, weil die Finanzlage ohnehin angespannt ist: nicht ausgeglichener Finanzhaushalt, praktisch leere Kasse Ende 2026 und eine Finanzplanung, deren Liquiditätsverbesserung ausdrücklich auf Pütnitz-Verkäufen beruht.
Zusätzlich droht die nächste Kostenlawine: Abwasserwerk & Verzögerungskosten
Und als wäre diese Abhängigkeit nicht schon riskant genug, stehen weitere finanzielle Risiken im Raum, die in der politischen Debatte oft heruntergespielt werden – aber jeden Haushalt sprengen können:
Sanierung/Neubau eines Abwasserwerkes:
Das sind erfahrungsgemäß Millionenprojekte, die nicht „irgendwann“ passieren, sondern in Pflichtinvestitionen münden. In einer Stadt, die ihren Finanzhaushalt schon jetzt nicht ausgleicht, erhöhen solche Pflichtlasten den Druck massiv.
Kostensteigerungen durch Verzögerungen:
Wer Projekte verzögert, macht sie teurer: Baupreise, Planungsleistungen, Nachträge, Zinsen. Bei einer Liquidität, die im Plan zeitweise praktisch auf Null fällt, kann jede Verzögerung zur akuten Krise werden.
Kurz gesagt: Pütnitz ist ein Risiko – aber nicht das einzige. Und genau deshalb ist es unverantwortlich, die Stadtfinanzen zusätzlich an einen einzigen Deal zu ketten.
Unsere Forderungen
Die Bürgerinitiative hat seit 4 Jahren immer wieder auf die finanziellen Risiken des Projektes für die kommunalen Finanzen für Ribnitz-Damgarten aufmerksam gemacht. Wir haben exakt das Szenario vorhergesagt, das nun eingetreten ist: die Stadt steht finanziell am Abgrund und hat sich verzockt. Die vorliegende Haushaltsplanung für 2026 ist der Offenbarungseid der Stadtverwaltung, dass der größenwahnsinnige Traum vom größten Touristenzentrum in Norddeutschland nichts anderes ist als ein Alptraum für die öffentlichen Kassen.
Wir fordern nochmals alle Aufwendungen für den geplanten Massentourismus sofort zu stoppen, um zu verhindern, dass noch mehr öffentliche Mittel für ein offensichtlich gescheitertes Projekt verschwendet werden. Darüberhinaus fordern wir, dass endlich ein realistischer Haushaltsplan aufgestellt wird, in dem das Projekt Pütnitz als gescheitert angesehen wird.
Die Unterlagen für die Haushaltsplanung 2026ff für Ribnitz-Damgarten können hier eingesehen werden.