Behörde erlässt Baustopp. Vorerst keine Altlastensanierung in geschützter Brut- und Setzzeit.

Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Vorpommern-Rügen hatte Einverständnis zur Verlängerung der Altlastensanierung bis Ende März erklärt. Bauarbeiten verursachen massive Lärmemissionen und visuelle Effekte, die zu erheblichen Störungen und Gefahren für Tiere (z.B. Kranich, Specht, Reptilien) führt. VLA MV hat mit Unterstützung der Bürgerinitiative Widerspruch gegen Altlastensanierung in geschützter Brut- und Setzzeit eingelegt. Zuständige Behörde hat gestern Abend Baustopp verhängt. Fortführung der Arbeiten im März ist Auftakt für den Versuch, Altlastensanierung während des gesamten Jahres durchzuführen.

Die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Vorpommern-Rügen hatte ihr Einverständnis dafür gegeben, dass die ursprünglich bis Ende Januar genehmigte Altlastensanierung bis Ende März verlängert wird. Damit ist ein weiterer trauriger Höhepunkt im Handeln dieser Behörde eingetreten. Die Naturschutzbehörde erklärt sich mit schwere Bagger- und Transportarbeiten auf Pütnitz einverstanden, die

  • massive Lärmemissionen von über 110 Dezibel verursachen (entspricht Lautstärke einer Motorkettensäge in 1m Abstand), die bei Menschen in kurzer Zeit zu Gehörschäden beim Menschen führen. Diese Lärmemissionen sind aktuell noch in 2 km Abstand von der Baustelle zu hören und
  • intensive visuellen Störungen verursachen (Bagger bewegen sich, Transportfahrzeuge fahren zwischen Baustelle und Lagerflächen hin und her, kontaminierter Aushub wird extern entsorgt, Bauarbeiter laufen auf Baustellen und Lagerflächen umher).

Die Leidtragenden sind die Tierarten auf Pütnitz, z.B.

  • Kranich: in unmittelbarer Nähe des etablierten Brutnests finden diese Arbeiten statt. Im Monat März ist die Hochzeit der gesetzlich geschützten Balz der Tiere. Diese wird durch die Lautstärke von 110 Dezibel und den visuellen Störungen unmöglich gemacht. Die Entscheidung der Unteren Naturschutzbehörde führt dazu, dass das seit Jahren auf Pütnitz brütende Kranichpaar vertrieben und Nachwuchs verhindert wird.
  • Grünspecht / Schwarzspecht / Buntspecht: Gleiches gilt für die Spechte, die ihr größtes Revier auf Pütnitz neben einer der Baustellen hat. Die Balz der Spechte im März wird durch die Untere Naturschutzbehörde unterbunden; eine Eiablage, die normalerweise Ende März beginnt wird nicht stattfinden.
  • Zauneidechse / Waldeidechse: Der aktuell intensive Transportverkehr auf Pütnitz verläuft mitten durch ein kartiertes Habitat besonders und streng geschützter Reptilien, die im März aus ihren Winterverstecken kommen. Durch den kontinuierlichen Verkehr der Transportfahrzeuge besteht die erhebliche Gefahr, dass Eidechsen verletzt oder getötet werden.

Gesetze wie insb. § 44 BNatSchG verbieten solche Gefahren und Störungen der Tiere. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, warum die Untere Naturschutzbehörde die Schutzgesetze ignorierte und eine solche Genehmigung erteilte.

Diese Genehmigung ist aus folgenden Gründen umso verwunderlicher:

  • die ursprüngliche Genehmigung zur Altlastensanierung auf den jetzt betroffenen Flächen wurde ursprünglich nur für den Zeitraum vom 01.10 bis 31.1. des Folgejahres gegeben. Als Grund für diese Befristung wurden von der Unteren Naturschutzbehörde exakt die Gründe aufgeführt, die nunmehr plötzlich keine Rolle mehr spielen sollen: nämlich der Schutz von Kranich, Specht und Reptilien. Die Untere Naturschutzbehörde gibt keinerlei Begründung, warum sie innerhalb weniger Monate ihre Einschätzung um 180 Grad änderte.
  • Die Stadt Ribnitz-Damgarten begründet ihren Antrag zur Fristverlängerung der Altlastensanierung bis Ende März mit einem Artenschutzfachbeitrag ihres beauftragten Fach-Dienstleisters Biota. In diesem „Fachbeitrag“ wird der Kranich und der Specht nicht einmal erwähnt sondern vollständig ignoriert. Das kann kein Versehen sein, weil Biota den Nachweis dieser betroffenen Arten auf den relevanten Arbeitsflächen selbst vorgenommen hat und in anderen Artenschutzfachbeiträge auf die Konflikte mit vor allem diesen Arten hingewiesen wurde.

Es drängt sich hier nach unserer Auffassung der Verdacht auf, dass die Untere Naturschutzbehörde entweder vorsätzlich oder grob fahrlässig die Artenschutzvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes nicht anwendet.

Wir können nicht akzeptieren, dass die Naturschutzgesetze nicht ordnungsgemäß angewendet werden. Deshalb hat der VLA MV als anerkannter Naturschutzverein in MV mit Unterstützung unserer Bürgerinitiative Widerspruch gegen die Fortsetzung der Altlastensanierung erhoben. Auf Grundlage des Widerspruchs hat das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) als zuständige Behörde am gestrigen Abend einen Baustopp für die Altlastensanierung verhängt und darüber die Stadt Ribnitz-Damgarten informiert.

Wir hoffen, dass die Stadt sich an den verfügten Baustopp hält. Allerdings haben wir erhebliche Zweifel daran, weil sich zuletzt die Stadt Ribnitz-Damgarten nicht einmal an den verhängten Abrissstopp für 3 Bunker auf Pütnitz durch das Verwaltungsgericht Greifswald hielt und weiterhin Abrissarbeiten vornahm.

Die Fortführung der Altlastensanierung bis Ende März ist leider erst der Auftakt für die weitere Naturzerstörung auf Pütnitz. Wir haben erfahren, dass die Stadt Ribnitz-Damgarten und die Untere Naturschutzbehörde eine ganzjährige Altlastensanierung auf Pütnitz planen und die entsprechenden Genehmigungen in den nächsten Tagen ausgestellt werden sollen. Kommt es dazu, dass weiterhin in der gesetzlich geschützten Brut- und Setzzeit massive Bauarbeiten auf Pütnitz genehmigt werden, wird das zu einer substanziellen Schädigung der Flora und Fauna auf Pütnitz führen.

Schon daran zeigt sich, was die Halbinsel Pütnitz, die Stadt Ribnitz-Damgarten und die gesamte Region Fischland-Darß-Zingst erwartet, wenn der geplante Massentourismus auf Pütnitz weiterverfolgt wird: Zerstörung unserer Natur, Vertreiben der Tierarten. Mehr als Natur und Landschaft hat der Landkreis Vorpommern Rügen aber nicht zu bieten. Genau aus diesem Grunde ist dieser Landkreis attraktiv für Einwohner und Touristen. Deshalb ist es umso verwunderlicher, mit welch großem Engagement die Landesregierung und die zuständigen Behörden auf Genehmigungen hinwirken, die genau diese Werte unserer Region zerstören.

Nachfolgend noch einige Bilder von der gegenwärtigen Situation auf Pütnitz:

Schreibe einen Kommentar